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Vergangene Austellung Martha Murphy Temporäre Amputationen |
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Eröffnung Freitag, 18. Mai 2001 um 18:30 Uhr Begrüssung DIR.Prof.Mag.Dr. Elmar Märk Gespräch mit Martha Murphy Musik Ingrid Wild, Renate Seeber Percussion Martha Murphy
Geboren am 29.1.1929 in Fügen/Tirol. 1948 Matura in Innsbruck 1949 - 1953 Studium der Grafik, Kunst- und Werkerziehung an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. 1954 - 1986 Kunstpädagogin in der Schweiz und in Tirol. Seit 1970 regelmäßige Einzelausstellungen und Beteiligungen an Ausstellungen. Veröffentlichungen: 1983 Macabaret Graphikmappe mit satirischen Zeichnungen und Texten. 1992 Katalog Malerei 1993 Die Kitschkommission Satirische Zeichnungen und Texte Satirische Beiträge für Anthologien und Literaturzeitschriften. Einzelaustellungen (Auswahl) 1975 Galerie am Dom, Innsbruck 1978 Kongreßhaus, Innsbruck 1981 Sparkassengalerie Mindelheim, BRD 1982 Kunsthaus Unterberger, Innsbruck 1983 Stadtturmgalerie, Innsbruck 1983 Universität, Innsbruck 1988 Okigalerie, Innsbruck 1989 Galerie Zöhrer, Schwaz 1989 Scellely Mühle Oslip, Burgenland 1990 Bildungshaus St. Michael, Pfons 1991 Gym. Galerie, Landeck 1992 Europahaus, Mayrhofen 1994 Kulturfabrik, Kufstein 1995 Tiroler Kunstpavillon, Innsbruck 1997 Österr. Botschaft, Krakau 1997 Literaturhaus am Inn, Innsbruck 1997 Universität, Innsbruck 1997 HBLA Innsbruck, Technikerstraße 1999 Rabalderhaus, Schwaz 2000 Denglgalerie, Reutte 2001 HTL-Galerie, Innsbruck GRUPPENAUSSTELLUNGEN (Auswahl) 1951-53 Österr. Jugendkulturwochen, Innsbruck 1970 Tiroler Kunsterzieher, Innsbruck 1971/72 Forum West, Salzburg 1973 Tiroler Kunstpavillon, Innsbruck 1974 Universität, Salzburg 1975 Zeitgenöss. Tiroler Malerinnen, Innsbruck 1976 Galerie Angerer, Vomperbach 1979/80 Ynnsprugger Werkstatt 1981 Kongreßhaus Innsbruck Künstlerinnen im deutschsprachigen Raum 1982 Tiroler Maler, Innsbruck 1996 Galerie Renu, Silz 1997 Galerie Schidt, Reith i.A. 1997 Rabalderhaus, Schwaz 2000 Kleine Galerie, Innsbruck Tiroler Künstler M.M. oder Ordnung und Chaos Hoch oben über Schwaz hat sie ihr Refugium, am Pirchanger, der seit jeher auch von Künstlern bewohnt war. Hier lebt sie, umgeben von den Bergen, von mehr oder weniger Katzen, von gepflegter und chaotischer Natur. Und hier tobt sie sich auf ihren Blättern aus. Martha Murphy, eine echte Intellektuelle, was aber ihrer Vitalität und Impulsivität keinen Abbruch tut. Bei längerem Betrachten ihrer Blätter aus den letzten Jahren ist mir Paul Celan in den Sinn gekommen. Rinde des Nachtbaums, rostgeborene Messer flüstern dir zu die Namen, die Zeit und die Herzen. Ein Wort, das schlief, als wirs hörten, schlüpft unters Laub: beredt wird der Herbst sein, beredter die Hand, die ihn aufliest, frisch wie der Mohn des Vergessens der Mund, der sie küsst. oder: Ölgrün, meerdurchstäubt die unbetretbare Stunde. Gegen die Mitte zu, grau ein Steinsattel, drauf gebeutelt und verkohlt, die Tierstirn mit der strahligen Blesse So geht es mir mit diesen Bildern, genauso abstrakt und nicht abstrakt sind sie. Die Affinität ist vielleicht nicht bewußt, aber frappierend. Die Malerin und zugleich Literatin, sie erzählt von Bergen, von Schluchten und Höhlen, und wieder von Bergen, von Fels und Gestein und Wasser, von Wurzeln, von Holz und von Pflanzen - auch fleischfressenden -, von Muscheln und Mäusen, von Lebendigem, Verwesendem und von Totem; von Kreatur und Existenzkampf, von Natur und Menschenwerk, von Blumen und Prothesen, von weit hinten liegenden Feuern, von Einsamkeit und Geborgenheit, von Dialog und Selbstgespräch, von Friede und Krieg, von Ordnung und Chaos. Mit dem gegenwärtigen Schaffen hat sich Martha Murphy mit Sicherheit auf einen Höhepunkt ihrer bisherigen künstlerischen Entwicklung frei gemalt und frei gezeichnet. Von großer Selbstverständlichkeit sind ihre Blätter, entstanden und entstehend aus einer inneren Bewegung, nur sehr vage kontrolliert in einem kreativen Akt, bei dem sie nicht Frau ihrer selbst ist. Die Farbe ist unverzichtbar, die Ölkreide das ebenbürtige Mittel. Spontan und geladen bringt sie ihre Aussagen zu Papier, in Szenarien, die uns zunächst recht bekannt vorkommen - nur zunächst -, ebenso rasch werden sie uns wieder fremd. Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar - hilft uns Paul Klee weiter. M. Murphys Botschaften wollen den Dialog, oft einen langen Dialog. Anregend sind sie, aufregend, aggressiv, immer kultiviert; sie sind manchmal gefräßig, ja bissig und verschlingend, dann wieder zart, voll Zuneigung, trotzdem kein Stilleben, ein düsterer Berg hinter dunklen Gewässern, die Ruhe vor der nächsten Explosion - diemal im russischen Cafe in Berlin. Tief sind sie; nie langweilig, nie oberflächlich, nie l'art pour l'art. Sie geben Hoffnung und Freude; ein Licht in der Ferne, ein Durchblick, Schnee im Advent, Dezemberlicht, auch Licht, das das Schwarze noch schwärzer macht, ein neuer Tag, herbstlich gelb in reiner Bläue ... In den Zyklen "Die Exile der Marina Zwetajewa" und "Jessenin" - die russische Seele steht ihr besonders nahe - bereitet Martha Murphy in gleich überzeugender und dichter Weise die zugrunde liegende Literatur auf. Die Blätter "In den Dörfern von Prag" und "In Jelabuga" seien Beispiele. "Zu neuen Ufern" nennt sie eines der hoffnungsvollen Blätter. Gehen wir nochmals zu Paul Celan: Es ist Zeit, daß man weiß! Es ist Zeit, daß der Stein sich zu blühen bequemt, daß der Unrast ein Herz schlägt. Es ist Zeit, daß es Zeit wird. Es ist Zeit. Dr. Anton Thurner HTL-GALERIE INNRAIN 29 |